Das EU-Label zwingt Hersteller zum tricksen, doch der Trick hilft allen.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum die Empörung um die längeren Laufzeiten von Waschmaschinen unnötig ist
  • Dass die Sparprogramme weitaus günstiger sind und dabei die selbe Waschwirkung erzielen
  • Wie kostspielig Kurzprogramme tatsächlich sind
  • Dass die Aufruhr unsinnig ist, da die Standardprogramme weiterhin die gewählten Temperaturen fahren
  • Dass auch neue Waschmaschinen nicht sparsam sind, sofern Sparprogramme keine Anwendung finden
  • Dass Waschmaschinen neue Möglichkeiten bieten, die lediglich richtig genutzt werden wollen

#Aufschrei wegen Waschmaschinen?

Die Stiftung Warentest deckte auf, dass der Vorsprung neuer Maschinen gegenüber älteren Modellen in Sachen Energieeffizienz nicht etwa durch zukunftsweisende Innovation, sondern „Tricks“ erfolgt. Aufgefallen war, dass die Temperatur neuer Maschinen nicht dem entspricht, was erwartet wurde. So zeigen moderne Maschinen häufig niedrigere Temperaturen als die Wahl der Gradzahl andeutet, während die Programme ein Stück länger laufen, als zuvor üblich. Was die Publikation ausmachte, war also weniger der Test, als die Empörung, die sich durch die Medienlandschaft wie ein Lauffeuer ausbreitete. Dabei hat diese stille Post allerdings nur das gelesen und verstanden, was Unruhe aufkommen lassen könnte.

Als herauskam, dass moderne Waschmaschinen es mit der Gradzahl nicht mehr so genau nehmen, ging ein leichter Aufschrei durchs Land. Man würde den Verbraucher täuschen und die Tat aus niederen Motiven begehen. Die Hersteller täten alles daran, dass die Waschmaschinen in der höchsten Energieeffizienzklasse des EU-Labels geführt werden. Nun ist nicht abzuwiegen, ob die Einen zu laut geschrien haben oder die Anderen zu leise waren. Fakt ist, dass durch das Vorgehen keiner wirklich Leid ertragen muss. Viel eher zeigt sich, dass die Regulierung der europäischen Kommission ein Umdenken fördert, welches allen zugute kommt.

Das EU-Label fördert ein Umdenken

Das EU-Label bestimmt ganz eindeutig, dass die Waschwirkung einen bestimmten Wert erreichen muss. Von Temperaturen ist keine Rede. Die geforderte Mindestwaschwirkung ist seit Juni 2012 von der europäischen Kommission festgelegt worden. Maschinen die schlechter abschneiden dürfen nicht verkauft werden. Diesen Wert erreichen die Maschinen auch mit niedrigeren Temperaturen. Das heisst, dass das Mosern am Prinzip eigentlich ein Mosern am alten Verfahren hätte sein müssen. Denn zuvor wurde für die gleiche oder mindere Waschwirkung weitaus mehr Energie verbraucht. Die Ausrichtung alter Maschinen ging zugunsten der Temperatur, nicht aber des Effekts, der erzielt werden sollte. Zu diesem Schluss sind diejenigen, deren Meinung in die Öffentlichkeit gelangt ist, jedoch nie gekommen. Auch die Klarstellungen der Hersteller fanden kaum Gehör. So erklärt Miele-Pressesprecher Carsten Prudent gegenüber den VDI-Nachrichten:

„Es entspricht [..] der Intention des EU-Gesetzgebers, ist hygienetechnisch und rechtlich abgesichert und dient dem Kundenbedürfnis nach einem perfekten Waschergebnis bei gleichzeitig größtmöglicher Energieeffizienz“

Vernichtende Argumente pro Energiesparprogramme

Die Programme, welche eine hohe Temperatur benötigen, sind oft die Kurzprogramme. Hier wird der kürzeren Zeit Willen eine höhere Temperatur veranschlagt, um die festgelete Waschwirkung zu erzielen. Auf der anderen Seite wird die gleiche Waschwirkung erreicht, wäscht man mit weniger Strom, dafür aber auf längere Zeit. Die Kritik an diesem Prinzip rührt daher, dass in älteren Maschinen die höhere Temperatur zu gediegeneren Waschzeiten geführt hat. Kurzprogramme nutzen höhere Temperaturen, verbrauchen aber auch umso mehr Energie. Neuere Waschmaschinen verfügen oft über die Einstellung „Eco“ oder „Speed“, welche diese Auswahl bereitstellt. Diese Rechnung geht auf, da den größten Anteil an den Energiekosten der Waschmaschine nicht etwa die Mechanik hat, sondern die Heizung. Die Waschwirkung jedoch bleibt in etwa die gleiche, sonst würde das Produkt nicht für den europäischen Markt zugelassen(!).

Die folgende Tabelle klärt über den Stromverbrauch einer neuen Samsung Maschine auf, der handverlesen wurde.

Waschtemperatur Zusatzprogramm Waschzeit (hh:mm) Energieverbrauch in kWh
60 °C 02:31 0,788
60 °C Zeit sparen 01:06 0,813
60 °C Energie sparen 03:10 0,402
40 °C 02:22 0,452
40 °C Zeit sparen 01:00 0,533
40 °C Energie sparen 02:50 0,411
30 °C 02:22 0,265

Das weitreichendste Lauffeuer löste AEG aus, die im 60°C Ökoprogramm lediglich mit einer Temperatur von 27°C waschen lassen. Dabei bestätigt Stiftung Warentest den Modellen von AEG die besten Waschwirkungen. Stefan Löb, zuständig für den Bereich „Wäschepflege“ im Hause AEG, fügt an:

„Das ist der Weg, den die Branche geht, und kein Entwickler kann die Physik überlisten. Energie sparen ist das Verkaufsargument Nr. 1. Dass diese Maschinen auch gut waschen, setzen die Kunden als selbstverständlich voraus.“

Irritierte Verbraucher brauchen neues Wissen

All die Neuerungen in den Gerätschaften und die Möglichkeiten zur Handhabung fordern ein neues Wissen um die Produkte und das Handeln. Die Irritation der Verbraucher rührt daher, dass der Umgang mit niedrigen Temperaturen beim Waschen auf wenig Erfahrung und noch weniger Wissen stößt. Man kann Mikroorganismen eben nicht nachvollziehen. Die Erkenntnis nach einem Waschgang mit niedrigen Temperaturen ist lediglich, dass die Wäsche sauber aussieht und wohl duftet.
Diverse Institute haben sich der Frage gewidmet was passiert, wenn stark belastete Wäsche mit niedrigen Temperaturen gewaschen wird. Die Antwort ist eindeutig und verlangt bei infiziertem Textil ein Waschprogramm, welches wenigstens 60°C, besser jedoch 90°C auffährt und von einem bleichehaltigen Vollwaschmittel unterstützt wird. Nur so ließen sich die Kleidungsstücke von Keimen, Viren u.Ä. befreien. Mehr zu diesem Thema lässt sich beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Erfahrung bringen (PDF).

Keine Kostenersparnis bei gleicher Handhabung

Unterm Strich bedeuten die Testergebnisse, bzw. das EU-Label, dass man mit den Maschinen nur dann sparen kann, wenn man sie richtig handhabt. Wer ängstlich ist und seine Wäsche stets keimfrei halten will, ohne dass das Textil diesen ausgesetzt ist, wird auch mit der sparsamsten Maschine nicht sparen können. Es besteht lediglich die Option dies zu tun. Ob man es letztlich tut, ist jedem selbst überlassen. Ihrem Geldbeutel und der Umwelt täte eine Anpassung der Verhaltensweise jedenfalls mehr als gut.